Direkt zum Hauptmenü, zum Inhalt.
Moore sind besondere Lebensräume und außerordentlich schützenswert. Warum? Sie beheimaten seltene Tier- und Pflanzenarten, filtern das Grundwasser, puffern die Auswirkungen von Starkregen und Überschwemmungen ab, regulieren kleinräumig das Mikroklima und speichern dabei große Mengen an Kohlenstoff. In NRW nehmen Moore eine Fläche von etwa 40 000 ha ein – das sind 400 km² und entspricht der Größe der Stadt Köln. Der Erhalt von Moorböden leistet einen Beitrag zur Begrenzung der Treibhausgasemissionen, denn die Moore der Welt – sie bedecken eine Fläche von rund 5 000 000 km² – speichern doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder zusammen.
Die Moorbestände in NRW entstanden erst nach der letzten Eiszeit, die vor 12 000 Jahren zu Ende ging. Die Eismassen aus Skandinavien tauten und hinterließen viel Schmelzwasser. Regelmäßige und hohe Niederschläge begünstigten die Moorbildung. Heute bieten die Moore in NRW Habitate für Tier- und Pflanzenarten, die extreme Bedingungen mögen, denn Moore bestehen zu 95 % aus Wasser und sind nährstoffarm. Vor allem Torfmoose prägen die niedrige Vegetationsdecke, die Moos- und Krautschicht. Sterben die Moose ab, zersetzen sie sich unter den sauerstoffarmen Bedingungen im Wasser nicht vollständig. Mit der Zeit bildet sich eine spezielle Form von Humus: der Torf.
Torf gibt es in NRW aber nicht erst seit dem Beginn des Holozäns. Bereits vor 330 Millionen Jahren, während der Oberkarbon-Zeit, und später vor 30 Millionen Jahren in der Tertiär-Zeit (Oligozän, Miozän) breiteten sich hier große küstennahe Sumpflandschaften und Moore aus und mit ihnen entstand auch reichlich Torf. Dieser wurde über Jahrmillionen unter Sediment begraben. Durch den steigenden Druck und die zunehmende Temperatur in der Tiefe begann der Prozess der Inkohlung. So wurde aus dem jüngeren Torf die Braunkohle in der Niederrheinischen Bucht und aus dem älteren die Steinkohle im Ruhrgebiet, bei Aachen und im Ibbenbürener Revier.
Intakte Moore sind produktiv: Sie wachsen im Durchschnitt einen Millimeter pro Jahr – im Vergleich zu Mineralböden aus Locker- oder Festgestein ein schnelles Wachstum. Moore produzieren jährlich bis zu 16 t Pflanzenmasse pro Hektar. Je mehr Torf gebildet wird, desto höher wächst das Moor. Ihrer Entstehung entsprechend können Moore sehr unterschiedlich sein. Niedermoore sind sehr nährstoffreich, da sie von Grund- oder Oberflächenwasser gespeist werden. Diese Moore entstehen beispielsweise, wenn Flüsse oder Seen verlanden. Sie sind artenreich und können natürlicherweise mit Bruchwäldern bestockt sein, sodass der Torf von Stamm- und Wurzelholz durchzogen ist. Wenn ein Niedermoor durch Moorwachstum allmählich vom prägenden Grundwassereinfluss getrennt und zunehmend aus Niederschlägen gespeist wird, entsteht ein Übergangsmoor (Zwischenmoor). Bleiben die Niederschläge dauerhaft hoch und regelmäßig, kann daraus ein Hochmoor werden. Ist die Torfschicht mächtig genug und der Niederschlagseinfluss dominant, trennt sich das Moor vom Grundwasser. Hochmoore sind vollständig vom Regenwasser abhängig. Sie sind artenarm und zeichnen sich durch spezialisierte Pflanzenarten und niedrigen Bewuchs aus. Denn anders als Niedermoore sind Hochmoore nährstoffarm und produzieren weniger Pflanzenmasse. Die wichtigsten Torfbildner in Mooren sind Torf- und Braunmoose.
Zu den bekanntesten Mooren in NRW gehören das Große Torfmoor in Minden-Lübbecke, das Hohe Venn bei Aachen und das Emsdettener Venn.
Menschliche Eingriffe wie die Entwässerung von Mooren für die Land- und Forstwirtschaft, die Torfgewinnung für Garten- und Landschaftsbau, der Siedlungsbau und der Ausbau der Infrastruktur haben fast 95 % der Moore in Deutschland nachhaltig beeinträchtigt oder zerstört. Bereits eine Absenkung des Grundwasserspiegels um 10 bis 20 cm kann das Torfwachstum in Mooren beenden. Das Problem dabei: Mit der Zersetzung austrocknender Torfe werden klimarelevante Gase freigesetzt. So stammen 7 % der aktuell emittierten Treibhausgase in Deutschland aus entwässerten Mooren.
Entwässerte Moore setzen nicht nur Treibhausgase frei, sondern verlieren auch ihre Fähigkeit, Wasser zu speichern und die Landschaft zu kühlen. Besonders gravierend ist die Entwässerung bei Mooren, die durch Düngung mit Nährstoffen angereichert wurden. Denn dann entweicht auch klimaschädliches Lachgas (N2O) in die Atmosphäre. Außerdem können die im Boden freigesetzten Nährstoffe über das Sickerwasser ins Umland gelangen und Grund- und Oberflächengewässer belasten.
Die Bastauniederung im Kreis Minden-Lübbecke ist ein Beispiel für ein entwässertes Moor. Hier haben sich Moorfolgeböden gebildet. Einer dieser Bodentypen ist das Erdniedermoor – ein Boden, der unter natürlichen Bedingungen gar nicht vorkäme. Durch die Grundwasserabsenkung wird in Mooren eine ganze Kette von Prozessen in Gang gesetzt, die oftmals unter dem Begriff „Moorschwund“ zusammengefasst werden. Moorschwund setzt sich zusammen aus Sackung, Schrumpfung und Zersetzung des Torfes. Die Sackung tritt besonders in der ersten Zeit nach der Tieferlegung des Grundwasserspiegels auf und ist vielleicht die auffälligste Erscheinung, weil es zu einem Höhenverlust kommt. Bei der Schrumpfung leeren sich die wassergefüllten Poren und das Volumen im Torf vermindert sich. In der Folge entstehen durch Quellungs- und Schrumpfungsprozesse „vererdete“ Bodenhorizonte. Sie sind typisch für ein Erdniedermoor. Bei der Zersetzung bauen Mikroorganismen den Torf ab.
Typisches Bodenprofil in der Bastauniederung, entstanden durch jahrhundertelange Entwässerung. Unser Boden-Experte zeigt auf den Bereich im Bodenprofil mit noch unzersetztem Torf. Die Bereiche über dem Torf (nach links) sind stark von Grundwasserschwankungen gekennzeichnet (brauner Bereich).
Um die Moore in NRW durch Wiedervernässung zu renaturieren, muss ihr Zustand erfasst und dargestellt werden. Wichtige Eigenschaften dafür sind der aktuelle Bodenwasserhaushalt, das Vorkommen von Torfen, das Bodengefüge, die Spuren menschlicher Eingriffe wie Meliorationsmaßnahmen und in Forstbeständen auch die Humusform.
Um die bodenkundlichen Grundlagendaten für gezielte Schutz- oder Renaturierungsmaßnahmen zu gewinnen, ermitteln wir die relevanten Kennwerte im Gelände. Neben der herkömmlichen Bohrmethode mit dem Bohrstock kommen spezielle Moor- und Kammerbohrer zum Einsatz, die eine größere Menge Torf entnehmen und die Ansprache der bodenkundlichen Kennwerte ermöglichen. Außerdem werden Profilgruben angelegt, um die Horizonte der Moorböden zu untersuchen und umfassend zu beproben. Anhand der Grundwasserhöhe, der Torfdicke und anthropogener Einflüsse wurde ein Bewertungssystem erarbeitet, um das Vernässungspotenzial von Mooren zu bestimmen.
Die erhobenen Daten fließen in die bodenkundlichen Karten 1 : 5 000 (BK5) ein und bilden die Basis für Maßnahmen zum Moorschutz. Auf Grundlage der BK5 und der Bodenkarte 1 : 50 000 wurde eine Gebietskulisse zum Schutz von Mooren und Feuchtgebieten in NRW erstellt. Die Landesmoorkulisse NRW zeigt ausgewählte Flächen, die in den obersten 4 dm eine 1 dm dicke Bodenschicht mit mehr als 15 % organischer Substanz aufweisen. Hier geht es zu den WebGIS-Bodenkarten.
© Geologischer Dienst Nordrhein-Westfalen Landesbetrieb