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Böden sind Lebensgrundlage für Menschen, Pflanzen, Tiere und Bodenorganismen. Sie dienen als Standort für Land- und Forstwirtschaft, schützen unser Grundwasser und vieles mehr. Darüber hinaus sind sie auch ein kostbares Archiv und speichern Informationen, zum Beispiel über historische Bewirtschaftungs- und Nutzungsformen, die Kulturgeschichte und sogar die Naturgeschichte. Mit Böden können wir Umweltbedingungen aus der Vergangenheit entschlüsseln. Deshalb umfasst das Bundes-Bodenschutzgesetz explizit die Funktion des Bodens als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte. Die Untersuchung der Bodenbildungsbedingungen vor dem Einfluss des Menschen und seiner historischen Bodenveränderungen eröffnet Fenster in die Geschichte. Sie können uns helfen, wichtige Fragen zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von lebenswichtigen Bodenfunktionen zu beantworten.
Längst vergangene Umweltbedingungen lassen sich an der Horizontierung und den Bodenmerkmalen von alten Böden, sogenannten Paläoböden, erschließen. Tausende Jahre alte Reste von Schwarzerden wie in der Warburger Börde zeugen von steppenartigen, semihumiden Klimabedingungen auf kalkreichen Substraten wie Löss. Noch älter sind Bodenbildungen aus der Tertiär-Zeit (66 – 2,6 Mio. J. v. h.). Oft sind diese durch rezente Bodenbildungen überprägt und im Gelände nicht einfach zu erkennen. Lehmige Reste von Kalksteinverwitterung (Terra rossa, Terra fusca), wie sie heute im Mittelmeerraum noch typisch ist, gibt es auch kleinflächig in NRW. Sie zeugen von einst feuchtwarmem bis subtropischem, mediterranem Klima!
Darüber hinaus gibt es fossile Böden. Sie sind oft unter jüngeren Sedimenten begraben und müssen nicht unbedingt sehr alt sein. Hier haben sich deren Bodenbildungsbedingungen geändert. Sogar bei rezenten Böden beobachten wir manchmal aktuelle Veränderungen, z. B. bei Gleyen, bei denen der Grundwasserspiegel abgesenkt wurde: Die vom Wasser beeinflussten Bodenhorizonte sind hier nur noch Geschichte. Ein anderes Beispiel sind Auenböden, denen durch Flussbegradigungen das prägende Wasserregime entzogen wurde. Klimaschwankungen, Erosion oder Umlagerungen sind an fossilen Böden oft gut zu erkennen. Paläoböden und fossile Böden sind somit bedeutende Klima- und Umweltarchive, denn Bodenbildung und Klimaveränderungen sind unzertrennlich miteinander verknüpft.
Bodenbildung ist nicht nur von längeren Phasen geprägt. Auch kurze Ereignisse können zu Spuren in Bodenhorizonten führen. So hinterließ der Ausbruch des Laacher-See-Vulkans vor ca. 13 000 Jahren mancherorts in Europa dünne Aschelagen im Boden und in den Sedimenten – ein wichtiger Marker für geowissenschaftliche und archäologische Datierungen. Weitere Ereignisse wie lokale Rutschungen, Bodenverlagerung durch Erosion, Überschwemmungen oder tektonische Verwerfungen können in Böden nachgewiesen werden und archivieren so Ereignisse der Naturgeschichte.
Das Kuratorium Boden des Jahres ist ein Gremium der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft, des Bundesverbandes Boden sowie des Ingenieurtechnischen Verbandes für Altlastenmanagement und Flächenrecycling. Es präsentiert den Boden des Jahres jeweils zum Weltbodentag am 5. Dezember für das Folgejahr in Berlin mit der Förderung des Umweltbundesamtes in Dessau-Roßlau.
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